Corona, Klopapier & die Psyche der Deutschen: Wie die Krise uns stark macht

Wer hätte gedacht, dass Toilettenpapier einmal in so eindrücklicher Weise zeigen würde, wie wir Menschen in der Krise ticken. Vor allem beweist es eines ganz deutlich: Das eigentliche Problem ist nicht das Coronavirus. Die wahre Coronakrise findet in den Köpfen der Menschen statt. Und das Ausmaß dieser “Krise der Vernunft” spüren wir besonders am Verhalten unserer lieben Mitmenschen.

Jede Krise bietet immer auch enorme Lernchancen für ein Umdenken und ein klügeres Handeln in der Zukunft. Wir haben die Welt, in der wir leben, so geschaffen, wie sie ist. Somit liegt es auch an uns, sie zu verändern. Die umfassende Betroffenheit der Coronakrise ist ein idealer Trigger, um Veränderungsprozesse in unseren Köpfen in Gang zu setzen.

Eines vorweg: Der Weltuntergang fällt auch diesmal aus! Unsere Wirtschaft wird nicht zusammenbrechen. Und wir werden auch nicht vereinsamen. Aber die Welt danach, wird eine andere sein. Denn wir werden eine Menge dazulernen. Selbst wenn wir in der Welt nach Corona nur ein bisschen mehr Menschlichkeit, Vernunft, Zusammenhalt, Humor und Gelassenheit vorfinden, dann war die Coronakrise nicht ganz umsonst. Aber machen wir uns nichts vor. Der Weg dahin wird steinig und er wird uns alles abverlangen!

Deutschland am Limit: Die Herausforderung, ein ganzes Volk auf Linie zu bringen

Die aktuelle Lage ist für eine vom Wohlstand verwöhnte und seit dem zweiten Weltkrieg wenig krisenerprobte Gesellschaft, wahrlich starker Tobak. Ein Stresstest, der viele an ihr Limit bringt. Die Coronakrise bedroht alles, was uns lieb und teuer ist. Auf das virale Erdbeben folgt unweigerlich ein sozio-ökonimsches. Statt Spaß, Wohlstand und Selbstverwirklichung weiter ungebremst zu huldigen, lautet jetzt die Divise: “Beschränkt euch und bleibt zuhaus”. So mancher empfindet das als moderne Freiheitsberaubung. Unter diesen Umständen eine Gesellschaft auf Linie zu bringen, ist eine riesengroße Herausforderung.

Warum Appelle selten zur Einsicht führen

Wer anderen ihre Sichtweise streitig machen will oder ihren Lebensstil verurteilt, erreicht genau das Gegenteil. Der andere verschanzt sich noch mehr hinter seiner Postion und fährt größere Geschütze auf (Backfire-Effekt). Oder er reagiert trotzig, wie ein Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug wegnimmt. Wer unsere Wohlstandsinsel flutet, darf sich über Wohlstandstrotz nicht wundern.

Selbst wenn jemand einsichtig ist, heißt das noch lange nicht, dass er sein Verhalten auch tatsächlich ändert. Menschen verfügen über ein erstaunliches Beharrungsvermögen. Gewohnheiten und Automatismen sind äußerst hartnäckig. Wirken wie eine permanent angezogene Handbremse. Sie zu verändern erfordert Motivation, Disziplin und Ausdauer. Und daran mangelt es leider vielen.

Die psychologische Wirkung von Kriesengeschrei

Das Bild, das Medien und viele Experten in der Coronakrise abgeben, finde ich wirklich traurig. Krisengeschrei an allen Ecken. Sogenannte Experten übertreffen sich gegenseitig mit Ihren Horrormeldungen und Weltuntergangsszenarien. Alle glauben sie zu wissen, wie schlimm alles genau kommen wird. Sie bieten konkrete Hochrechnungen und Zahlen, wo nach den Regeln seriöser Statistik, keine möglich sind. Der Gesundheitsstatistiker Prof. Gerd Bosbach meint dazu “Solchen Wissenschaftlern würde ich gerne Kamera oder Mikrofon entziehen”. Und die Medien machen fleißig mit. Die schreien mit ihren emotional völlig überdrehten Headlines “Es wird alles schlimmer kommen, als wir denken” oder “Die Klopapier-Lücke droht” nach purer Aufmerksamkeit. Diese garnieren sie dann noch mit Bildern von Särgen in Reih und Glied oder leeren Einkaufsregalen.

Sorry, aber das ist unverantwortlich und hat mit Realismus und Vernunft nicht mehr viel zu tun. Das ist ein Angriff auf unsere Urteilsfähigkeit, dem selbst der Vernunftbegabteste kaum etwas entgegenzusetzen hat. Natürlich müssen wir uns die Schwierigkeiten und Risiken bewusst machen. Aber nur damit wir wirksame Strategien entwickeln können. In dem wir uns immer schlimmere Horrorvisionen ausmalen, verschlimmern wir nur die Krise in unseren Köpfen. Ehrlich gesagt, mir geht das mächtig auf den Keks.

Auch die Sportmediziner stimmen jetzt in das Kriesengeschrei mit ein. Ihr Credo: Die eigentliche tödliche Gefahr lauert im Homeoffice! Wenn ich so etwas lese, dann fehlen mir wirklich die Worte. Die Annahme, dass der Homeoffice-Arbeiter, aus eigenem Antrieb seine Arbeit durch einen Spaziergang (der ja erlaubt ist) unterbrechen könnte, scheint wohl zu abwegig. Zumindest in einer Gesellschaft, der die Eigenverantwortung schon lange abhanden gekommen ist.

Leider unterschätzen viele die psychologische Wirkung Ihres Krisengeschreis auf den Einzelnen und die Masse. Wer sich als Prophet der Apokalypse betätigt, darf sich über den Weltuntergang nicht wundern. Wer uns ständig das Schwarze vor Augen hält, erreicht damit nur, dass wir die Fähigkeit verlieren, das Weiße und die vielen Grautöne zu sehen. Vom Bunten ganz zu schweigen. Kriesengeschrei verunsichert nur unnötig und schürt Ängste. Kriesengeschrei trübt den Blick fürs Notwendige und führt zu Aktionismus und Lethargie. Kluge Entscheidungen sind so kaum zu haben.

Statt Krisengeschrei sind jetzt Besonnenheit, ein kühler Kopf und die Fixierung auf die Lösung, nicht auf das Problem gefragt.

Mit Freiheit muss man umgehen können

Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen ihre Freiheit gerne auf Kosten anderer ausleben. Freiheit ist wunderbar. Aber was ist, wenn andere Menschen dafür mit ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben bezahlen?

Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit.

Emanuel Kant

Freiheit ist keine Einbahnstraße. Sie bedeutet nicht nur Selbstverwirklichung, sondern immer auch Selbstbeschränkung. Und die funktioniert nur dann, wenn man in der Lage ist, sich selbst Regeln zu setzen. Auch wenn die Verzicht und Entbehrung bedeuten. Und genau daran scheitert es bei den meisten. Regeln von außen können hier hilfreich sein. Strenge Regeln machen es den Menschen leichter, ist sich der Sozialpsychologe Professor Renato Troffa sicher. Offenbar hat er recht. Plötzlich haben wir 95 Prozent Zustimmung im Volk. Knapp ein Viertel der Bürger befürworten sogar noch striktere Maßnahmen.

Der Kampf um die richtige Lösung

In der Coronakrise sollte es unser Ziel sein, die Gesundheit zu schützen, ohne die Wirtschaft zu ruinieren. Fast ausnahmslos haben Virologen und Mediziner zum Ziehen der Notbremse geraten, um unser Gesundheitssystem vor dem Super-GAU zu bewahren. Machen nur wenige nicht mit, ist die Bremse wirkungslos. Viele von uns haben freiwillig nicht mitgemacht. Wir haben es daher selbst zu verantworten, dass wir die bittere Medizin der sozialen Distanzierung per Verordnung von oben schlucken müssen.

Wenn jetzt die Kritiker aus ihren Elfenbeintürmen kommen und das als Angriff auf die Demokratie und Entmündigung bezeichnen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Natürlich können wir die Notbremse nur für einen sehr kurzen Zeitraum angezogen lassen. Sie verschafft uns aber Zeit, damit wir schnell eine gute Strategie finden, um die Schutzmaßnahmen mit den Belangen der Wirtschaft besser zu vereinbaren.

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Vernunft am Limit: Warum wir uns in der Coronakrise wie Idioten verhalten

Ich gebe gerne zu: vernünftig zu handeln ist nicht immer einfach. Die Coronakrise wird wird zum echten Belastungstest für unsere Psyche. Denn unser Gehirn hält eine Menge Fallstricke in Form kognitiver Fehlschlüsse bereit. Diese lassen uns nur allzu gerne auf dem Parkett der Unvernunft tanzen. Wir tanzen uns förmlich in einen Rausch und merken nicht, dass wir schon längst aus dem Takt gekommen sind. Offen gesagt, gelegentliche Unvernunft kann manchmal sogar ganz reizvoll sein. Sie macht das Leben bunter. Aber in einer Situation wie dieser, können wir uns das schlichtweg nicht länger leisten.

Wir sind zu Fetischisten einer kurzfristigen Bedürfnisbefriedigung mutiert. Die Aussicht auf das rauschende Fest morgen, scheint uns nicht attraktiv genug, wenn wir bereits heute eine kleine Party feiern können. Selbst wenn die uns ins Verderben führt. Unsere Willensschwäche und die Unfähigkeit zur Genussverschiebung, stehen uns nur allzu oft im Weg. Jeder sollte sich daher fragen: Was ist so schlimm daran, auf den Spaß HEUTE zu verzichten, um damit den Spaß von MORGEN zu sichern?

Auch unser mangelndes Situationsbewusstsein erschwert kluges Handeln in einer Ausnahmesituation ungemein. Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, sondern wie wir sie sehen wollen oder uns wünschen. Wir setzen weiter auf unsere geliebten Routinen, auch wenn die schon lange nicht mehr zur Situation passen. Wie der Pilot, der trotz Triebwerksausfall, weiter auf den Autopiloten vertraut.

Daher sollten wir alle ein wenig mehr Verständnis für einander aufbringen, auch wenn wir das Verhalten anderer nicht gutheißen. In der Coronakrise zeigen sich in erster Linie die folgende drei problematische Verhaltenstypen:

Der Ignorant

Der Ignorant erkennt zwar den Ernst der Lage, blendet diesen aber weitgehend aus. Er zeigt wenig Bereitschaft, seinen Lebensstil an die neue Situation anzupassen. Seine bevorzugte Bewältigungsstrategien sind die Verdrängung und die Herabsetzung der Bedrohung. So ganz sicher ist er sich seiner Sache aber nicht. Gelegentlich kommen ihm Zweifel, ob er mit seiner Einschätzung richtig liegt. Dem begegnet er, in dem er gezielt nach Informationen sucht, die dem Umgang mit der Coronakrise Hysterie und Panikmache bescheinigen. Alles andere blendet er weitgehend aus.

Zum Schutz des Ignoranten möchte ich anführen, dass ein bisschen Verdrängung durchaus in Ordnung ist. Sie hilft einen klaren Kopf zu bewahren, Ängste und Stress abzubauen.

Der Realitätsverweigerer

Dem Realitätsverweigerer ist fast jedes Mittel recht, um seinen Selbstverwirklichungsdrang und sein Lebensgefühl gegen das Virus zu verteidigen. Statt sein Verhalten der Situation anzupassen, verzerrt er die Realität, in dem er das Risiko verharmlost. Er lässt nur Informationen an sich ran, die seine Meinung untermauern. Er bedient sich gerne Fake-News und verdreht Fakten so lange, bis sie ihm in die Karten spielen. Anstatt seine Sichtweise kritisch zu hinterfragen und sich ggf. einzugestehen, falsch zu liegen, schützt der sein Selbstbild. Das tut er, in dem er Andersdenkende als Panikmacher und Angsthasen abwertet und sich über sie lustig macht. Seine zur Schau gestellte Sorglosigkeit, gibt ihm ein Gefühl der Überlegenheit.

Übrigens… die Verzerrung der Realität ist eine beliebte Strategie rechthaberischer Menschen, die sich gerne im eigenen “Meinungssaft” drehen und deren Bereitschaft, sich mit wissenschaftlichen Fakten und anderen Meinungen auseinanderzusetzen, gering ist.

Der Paniker

Ein typisches Paniker-Exemplar ist der Hamsterkäufer. Dieser kompensiert seine Ängste durch übertriebene Vorratsaufstockung. Leider zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Sein Verhalten ist in zweierlei Hinsicht gefährlich für das Gemeinwohl. Erstens, weil er dadurch die von ihm befürchtete Mangelsituation überhaupt erst auslöst und eine reibungslose Logistik des Handels erschwert (selbsterfüllende Prophezeiung). Zweitens, weil er selbst zum Infektionsherd einer sozialen Ansteckung wird. Hamstereinkäufe haben einen sich selbst verstärkenden Effekt. Der Anblick leerer Regale treibt selbst den Hartgesottenen die Schweißperlen auf die Stirn. Die befürchten jetzt, selbst zu kurz zu kommen. Mit dem Resultat, dass der Hartgesottete nun auch zum Hamster wird. Manche trauen sich kaum noch Klopapier zu kaufen. Sie fürchten die argwöhnischen Blicke der anderen, die sie als Hamster verdächtigen könnten.

Keine Frage, Vorratshaltung für Krisenzeiten ist gut. Das sollte jeder tun. Aber bitte vor und nicht erst in der Krise. Warum der Hamster bevorzugt Klopapier hortet, erschließt sich mir nicht wirklich. Sollte es wirklich mal zum Engpass kommen, gibt es mehr als genug Alternativen. Kreativität und geistige Beweglichkeit vorausgesetzt. Möglicherweise mangelt es dem Hamsterer aber genau daran.

Welche Lernchancen bietet die Coronakrise für den Einzelnen und die Gemeinschaft? Wie kann sie uns stark machen?

Den wahren Helden huldigen

Wir huldigen Fussballspielern, die trotz horrender Millionengehälter beim wichtigsten Fußballturnier mangels richtiger Einstellung und Motivation frühzeitig ausscheiden. Wir sind Follower von Menschen, die uns mit den plattesten Lebensweisheiten beglücken, die wir eigentlich selbst wissen.

Doch wer huldigt den Menschen, die Tag ein Tag aus für unser Wohlergehen da sind? Wer huldigt der Krankenschwester, dem Altenpfleger, dem Feuerwehrmann, dem Sanitäter, dem Polizist, dem Müllwerker oder dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister? Oder der Kassiererin im Supermarkt. Die hält in der Krise tapfer durch, obwohl sie sich täglich hunderten potentiellen Coronavirus-Attacken aussetzt. Wer huldigt dem Hausarzt und der Arzthelferin, die alles geben und sich dann auch noch um Menschen kümmern müssen, denen lediglich ein Furz quer sitzt? In der erzwungen häuslichen Familienidylle, spüren Eltern endlich mal, was Erzieherinnen und Lehrer leisten. Wie anstrengend es ist, den verwöhnten Nachwuchs bei Laune zu halten, damit daraus mündige Bildungsbürger werden.

All diese Menschen sind die wahren Helden und das nicht nur in der Krise. Es liegt an uns, sie die längst fällige Anerkennung und Wertschätzung spüren zu lassen. Das darf sich gerne auch im Gehaltsgefüge zeigen!

Mutige und kreative Lösungen finden

Die Coronakrise zwingt uns zum Selbstdenken. Der Shutdown nötigt uns regelrecht, unsere Lebensumstände neu zu organisieren und alte Routinen aufzubrechen. Plötzlich sind Kreativität, Mut und geistige Flexibilität gefragt. Das haben wir fast verlernt.

Das sind auch die Fähigkeiten, auf die es in der modernen Arbeitswelt ankommt. Die Coronakrise bietet eine gute Chance, diese zu trainieren. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Sei mutig. Denke out-of-the-box, also bewusst anders als sonst. Denke das Unmögliche und spinne ganz neue Ideen.

Viele kleine Selbständige, deren Aufträge sich über Nacht in Luft aufgelöst haben, trifft es besonders hart. Für die gilt jetzt erst recht: Nicht im Selbstmitleid verharren oder nur auf Hilfe von Außen hoffen, sondern Mittel und Wege finden, wie man die missliche Lage zumindest etwas abmildern kann.

Keine Solidarität ohne Selbstverantwortung

In der Coronakrise wird viel über Solidarität geredet. Worüber wir aber viel eher reden sollten, ist Selbstverantwortung. Die ist leider rar geworden in unserem Lande. Aber ohne Selbstverantwortung ist Solidarität nicht zu haben. Nur wenn wir Menschen selbstverantworlich handeln, sind so wichtige Werte wie Rücksicht, Anstand und Menschlichkeit überhaupt erst zu haben.

Wenn wir alle ein klein wenig mehr über die Konsequenzen unseres Handelns nachdenken würden, wäre bereits viel gewonnen. Wenn wir uns fragen, was unser Verhalten möglicherweise bei anderen anrichtet, dann haben Vernunft, Empathie und Solidarität eine wirkliche Chance.

Wie Zusammenhalt wirklich funktioniert

In einer Gesellschaft, in der wir einer gnadenlosen Selbstverwirklichung huldigen, hat es Zusammenhalt nicht leicht. Denn wer rund um die Uhr mit der Inszenierung des eigenen ICH’s beschäftigt ist und willige Follower statt starker Mitstreiter sucht, der verliert den Blick fürs WIR.

Hier können wir als Gesellschaft von erfolgreichen Teams in der Arbeitswelt lernen. Deren Teamkultur basiert nämlich hauptsächlich darauf, dass

  • sie eine gemeinsame Vorstellung über angemessenes Verhalten im Umgang miteinander haben und dieses durch Regeln und Normen kultivieren und konsequent leben
  • die Mitglieder einander vertrauen und sich durch Ihr Verhalten gegenseitig Sicherheit geben.
  • sie Respekt vor dem Anderssein der anderen zeigen.

Sich selbst genug sein können

Andere Menschen bereichern unser Leben ungemein. Geselligkeit ist wunderbar. Doch wer ständig Menschen um sich herum braucht oder permanent beschäftigt sein muss, der flieht immer auch vor sich selbst. Der kann nie ganz bei sich sein und lernt nie, sich selbst auszuhalten.

Alleinsein bedeutet nicht Einsamkeit. Es kommt darauf an, wie du die Zeit des Alleinseins nutzt. Vergeudest du sie, in dem du bedauerst, dass andere nicht bei dir sind, dann erschaffst du Einsamkeit. Wie oft sehnen wir uns im hektischen Alltag danach, einfach mal unsere Ruhe zu haben. Der Shutdown ist die Gelegenheit, eine neue Qualität des Alleinseins zu entdecken. Endlich Gelegenheit, die Natur mit allen Sinnen beim Solo-Spaziergang zu genießen, ohne ablenkendes Gespräch. Oder sich in ein Buch vertiefen. Musik ganz bewusst hören und nicht wie sonst im Berieselungs-Modus. Oder rein in die Laufschuhe, aufs Mountainbike oder aufs Meditationskissen. Es gibt so vieles, was man wunderbar alleine tun kann und das glücklich macht.

Für Familien gilt: Lagerglück statt Lagerkoller. Wenn jeder sein Ich-Bedürfnis etwas runterfährt, dann funktioniert das wunderbar. Endlich Zeit, sich intensiv mit dem Partner und/oder Kindern zu beschäftigen. Sich gänzlich aufeinander einlassen. Wann gönnen wir uns das sonst mal?

Unangenehmes aushalten

Wer Spaß und Glück als Dauerzustand kultivieren möchte, der muss in der Krise leiden. Leben bedeutet immer auch Leid. Unangenehmes gehört zum Leben, wie die Nacht zum Tag. Wenn wir ehrlich sind, leiden wir auf hohem Niveau.

Wer den Blick nur auf das lenkt, was er durch den Shutdown verliert, der produziert automatisch leiden. Blicke stattdessen auf das, was du aus den Entbehrungen lernen kannst. Wenn wir uns das wirkliche Leiden von Millionen Menschen in der Welt vor Augen halten. Durch Krieg, Terror, Gewalt und Armut. Oder was tausende Flüchtlinge auf ihrer Odyssee erdulden müssen, dann relativiert sich unser Leiden in der Coronakrise ganz gewaltig.

Außerdem lässt sich Unangenehmes viel besser aushalten, wenn du dir die zeitliche Begrenztheit der Ausnahmesituation vor Augen hältst. Jede Krise geht einmal zu Ende. Auch die Coronakrise. Mache dir auch den Sinn klar, warum wir das jetzt tun müssen. Die Entbehrungen heute sichern uns ein besseres morgen.

Gelassen durch die Krise

Ängste, Frust und Stress sind in einer Krisensituation denkbar undgünstige Voraussetzungen für besonnenes Handeln. Sie schlucken Unmengen an Energie, die dann für die Problembewältigung fehlt. Gelassenheit bedeutet keinesfalls im Entspannungsmodus zu verharren. Im Gegenteil. Sie versetzt dich erst in die Lage, im entscheidenden Moment, das richtige zu tun. Sie lenkt den Fokus auf das Wesentliche. Sie hilft dir alles loszulassen, was Energie verbraucht, aber nicht der Problemlösung dient.

Gelassenheit in der Coronakrise, gewinnst du nicht durch die bloße Hoffnung, dass alles gut wird. Einfaches positives Denken führt zur Passivität, Schönfärberei und Verkennung der Lage. Ohne unser aller Zutun, wird in der Coronakrise eben nicht alles gut. Erst wenn wir Zuversicht und Optimismus mit dem Blick auf die Schwierigkeiten und Hindernisse verbinden, können wir gute Strategien zur Problemlösung entwickeln. Das macht locker und souverän. Du gewinnst an Selbstsicherheit und die lässt dich auch bei künftigen Herausforderungen gelassen bleiben.

Wie gelassen man mit Krisen umgeht, hängt maßgeblich von den individuellen Lebens- bzw. Lernerfahrungen und der psychischen Widerstandfähigkeit (Resilienz) ab. Die besten Karten haben diejenigen, die über eine gute psychischen Fitness verfügen.

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Sicherheit als Illusion begreifen

Faktisch war die Welt noch nie so sicher wie heute. Handelt es sich dabei aber um eine relative und trügerische Sicherheit. So sehr wir uns auch nach absoluter Sicherheit sehnen, es gibt sie nicht. Je früher du dir das klar machst und akzeptierst, um so weniger macht es dir zu schaffen. Auf meinen Expeditionen habe ich gelernt, dass es trotz perfekter Vorbereitung und Planung immer anders kommt. Wer sich mental darauf einstellt, der fällt nicht ins Bodenlose. Mir ist es gelungen, eine Art Routine für den souveränen Umgang mit dem Außergewöhnlichen zu entwickeln.

Wir haben lange Zeit auf einer Art Insel des Wohlstands und der Glückseligkeit gelebt. Die Coronakrise zeigt uns brutaler Weise, wie zerbrechlich das alles ist. Mit dieser Zerbrechlichkeit lässt sich aber wunderbar leben, wenn man sie als Möglichkeit nie ausschließt und sich mit ihr bereits im Vorfeld arrangiert.

Ängste zur Problemlösung nutzen

Ohne Frage, vor dem Coronavirus darf man Angst haben. Die Bedrohung durch das Virus ist real. Es kann jeden erwischen. Mit der Option auf einen tödlichen Ausgang. Und weil es uns an erprobten Bewältigungsstrategien fehlt, fühlen wir uns der Situation hilflos ausgeliefert. Wir empfinden Ohnmacht und Kontrollverlust. Der perfekte Nährboden für Ängste und Stress.

Die Angst als solche, ist nicht das Problem. Entscheidend ist, wie sie unser Denken und Handeln beeinflusst. Lähmt sie uns oder lässt uns irrational handeln, dann wird sie zum Brandbeschleuniger. Schärft Sie aber unser Bewusstsein für die realen Gefahren und lenkt sie unseren Fokus auf das, was zu tun ist, um der Bedrohung entgegenzuwirken, dann wird Angst zum Lösungsbeschleuniger.

Wenn ich die Angst vor dem Berg verliere, komme ich am Berg um.

Reinhold Messner, Extrembergsteiger

Akzeptiere dein Angst in dieser Ausnahmesituation als etwas Normales. Gib dich ihr aber nicht hin. Sondern frage dich, wovor du genau Angst hast und was du dafür tun kannst, dass das, was du fürchtest, nicht eintritt. Du bist der Coronakrise nicht hilflos ausgeliefert. Du hast Kontrolle. Denn du kannst einiges tun, um dich und andere zu schützen.

Lachen, auch wenn’s nichts zu lachen gibt

Genau so lautet eine Textzeile des von mir komponierten Songs Sommerhaus meiner Band Bräterzone. Besonders in Krisenzeiten sollten wir noch mehr lachen als sonst. Humor ist – neben Musik – einer der besten Selbst-Therapeuten überhaupt. Dabei is alles erlaubt, was uns lachen oder zumindest schmunzeln lässt.

Vielleicht hilft dir ja unser Song dabei 😉

Die Lust auf WENIGER entdecken

Statt eines erfüllten Lebens, führen wie ein zugemülltes Leben. Wir konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Kaufen Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Sind ständig unterwegs, hetzen von Termin zu Termin. Selbst unsere Freizeit planen wir so mit Aktivitäten zu, das uns kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Und wenn wir dann mal Luft holen, dann tun wir das online und der Kampf um unsere Aufmerksamkeit geht ungebremst weiter.

Die Coronakrise bietet eine gute Möglichkeit, unsere Lust auf Weniger zu entdecken. Denn wenn wir ehrlich sind, dann leiden wir doch alle irgendwie unter der Last des Zuviel. Wir irren gewaltig, wenn wir denken, Verzicht bedeutet zwingend auch Verlust. Das Gegenteil ist der Fall. Verzicht bereichert unser Leben. Weil alles andere wertvoller wird.

“Selbst wenn du nur zehn Minuten rausgehen kannst, erscheint dir das wie ein Geschenk.”

O-Ton eines Bürgers in einer TV-Reportage während des Shutdowns

Ich bin mir sicher, so geht es vielen. Beschränkung und Verzicht führen dazu, dass wir das, was uns bleibt, viel intensiver erleben. Die kleinen, banalen Dinge des Alltag, denen wir sonst kaum Beachtung schenken, bekommen in Zeiten des Shutdowns eine viel größere Bedeutung. Wir entdecken, was uns wirklich fehlt und uns glücklich macht. Aber auch, was wir leicht entbehren können.

Warum machen wir uns dieses Geschenk nicht öfter? Auch in normalen Zeiten? Wir wissen doch sowieso, dass wir nicht mehr so weiter machen können, wie bisher. Unser Planet ächzt und stöhnt doch schon lange unter unserem Zuviel.

Wir sollten endlich unsere Systeme therapieren

Gestern noch haben Ökonomen unser Wirtschaftssystem für alternativlos und allein glückseligmachend erklärt, heute stellen einige von ihnen die Systemfrage und beschwören den kollektiven Kollaps. Unser Wirtschaft-, Finanz- und Sozialsystem liegt nicht erst seit der Coronakrise therapiebedürftig auf der Couch.

Dennoch sollten wir nicht immer alles schlecht reden. Auch wenn das typisch deutsch ist. Es gibt vieles, was in unserem Land wesentlich besser funktioniert, als in anderen Ländern. Der Blick auf das Verhältnis Infizierung zu Todesfällen zeigt, dass das auch auf unser Gesundheitssystem zutrifft. Trotzdem gibt es noch viel zu tun.

Ich maße mir nicht an zu wissen, wie die perfekte Lösung im Detail aussehen mag. Aber folgendes sollte uns allen zu denken geben..

  • Was ist ein Wirtschaftssystem zukünftig noch wert, das unendliches, qualitatives Wachstum zwingend voraussetzt, obwohl wir auf einem begrenzten Planeten leben, dessen Ressourcen wir schon mächtig geplündert haben?
  • Wie sinnvoll ist eine Globalisierung, die Abhängigkeiten produziert, die in Krisensituation zum unkalkulierbaren Bumerang werden und die mit ihrem Ausmaß an Mobilität, das Klima unseres Planeten heillos überfordert.
  • Welchen Sinn macht es, Finanzprodukte zu schaffen, mit denen wir an unseren Börsen auf die Vernichtung von Existenzen Wetten abschließen können?
  • Was bringt eine Digitalisierung, die die Zukunft der gesamten Menschheit in die Hände einiger weniger US-Konzerne legt? Die uns mental maßlos überfordert und unsere Aufmerksamkeit ruiniert?
  • Was taugt ein Internet, das Hass, Menschenverachtung und Fake-News gedeihen lässt, das kommerziell verseucht und an Unfreiheit kaum zu überbieten ist?

Wir müssen nicht die Systemfrage stellen, wir sollten endlich unsere Systeme so umbauen, dass sie dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.

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